Naturschutz im Jahreslauf: Unsere Projektarbeit in der Voreifel
Das Jahr im Naturschutz kennt keine Pause. Während andere Vereine im Winter ihre Arbeit ruhen lassen, beginnt für uns in der Voreifel genau dann die erste große Saisonaufgabe. Was von außen vielleicht wie ein ruhiger Jahresrhythmus wirkt, ist in Wirklichkeit ein ununterbrochener Wechsel von Projekten, Einsätzen und kleinen Siegen für die Natur – Monat für Monat, Jahrzehnt für Jahrzehnt.
Winter: Wenn die Nistkästen zum Sprechen gebracht werden
In den kalten Wochen zwischen Dezember und Februar sind unsere ehrenamtlichen Teams in den Wäldern und Streuobstflächen rund um Rheinbach unterwegs – mit Leitern, Schraubenziehern und einem wachsamen Auge für Details. Die jährliche Nistkastenpflege ist mehr als Routine. Sie ist eine Bestandsaufnahme.
Wer einen Nistkasten öffnet, liest darin die Geschichte des vergangenen Jahres: Meisennester aus Moos und Haaren, gelegentlich die kunstvollen Bauten von Kleibern, manchmal die Überreste einer Haselmausfamilie, die sich den Kasten als Winterquartier ausgeliehen hat. Altes Nistmaterial wird vollständig entfernt – es birgt Parasiten und Keime, die im Frühjahr für neue Bewohner gefährlich werden könnten. Die Holzkästen werden auf Schäden geprüft, gelockerte Schrauben nachgezogen, beschädigte Kästen ersetzt.
Laut NABU Deutschland sind künstliche Nisthilfen dort unverzichtbar, wo natürliche Baumhöhlen fehlen – und das ist in bewirtschafteten Wäldern und aufgeräumten Gärten die Regel, nicht die Ausnahme. In der Voreifel betreuen wir inzwischen mehrere Hundert Nistkästen. Jeder einzelne zählt.
Frühjahr: Kröten auf Wanderschaft – und wir mittendrin
Wenn Ende Februar die ersten milden Regennächte kommen und die Bodentemperatur auf etwa fünf Grad steigt, setzt das Signal ein. Erdkröten, Grasfrösche, Bergmolche und Teichmolche verlassen ihre Winterquartiere und brechen zu ihren angestammten Laichgewässern auf – oft über viel befahrene Straßen.
Für den NABU NRW ist der Amphibienschutz eine der wichtigsten Frühjahrsaufgaben überhaupt. Wir teilen diese Einschätzung aus eigener Erfahrung. An unseren Schutzzaunanlagen im Rheinbach-Voreifel-Gebiet werden täglich Fangeimer kontrolliert, die Tiere gezählt und sicher über die Straße getragen. Die Eimer werden früh morgens geleert – bei Wind und Regen, bei Dunkelheit und Kälte. Wer einmal dabei war, versteht, warum Amphibienschutz Gemeinschaftsarbeit ist.
Warum Amphibien so wichtig sind
Frösche, Kröten und Molche stehen mitten in der Nahrungskette: Als Larven ernähren sie sich von Algen und organischem Material, als Erwachsene dezimieren sie Insekten, gleichzeitig sind sie Beute für Störche, Reiher, Schlangen und Igel. Ihr Rückgang ist ein ökologisches Warnsignal. In der Voreifel konnten wir durch kontinuierlichen Schutzeinsatz an mehreren Stellen stabile Populationen erhalten.
Sommer: Die Mahd und das Timing, das alles entscheidet
Artenreiche Wiesen entstehen nicht von selbst – aber auch nicht durch intensive Bewirtschaftung. Sie entstehen durch das richtige Maß: die Mahd zum richtigen Zeitpunkt, auf die richtige Weise, mit der richtigen Ausrüstung.
Der BUND Deutschland bringt es treffend auf den Punkt: Wiesen und Weiden sind die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas – sofern sie extensiv gepflegt werden. Genau das ist unser Ansatz bei den Vereinswiesen und Pachtflächen in der Voreifel. Wir mähen nicht vor dem Verblühen, wir lassen Randstreifen stehen, wir arbeiten von innen nach außen, damit Tiere flüchten können.
Die Schnitttermine koordinieren wir nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde und richten uns nach dem tatsächlichen Entwicklungsstand der Vegetation – nicht nach dem Kalender. In der Praxis bedeutet das: Manchmal wird eine Fläche erst im August gemäht, wenn besonders seltene Pflanzen ausgereift sind. Das erfordert Geduld und Überzeugungskraft, zahlt sich aber aus. Wir haben in den letzten Jahren auf einigen unserer Flächen einen deutlichen Anstieg der Pflanzenvielfalt beobachtet.
Herbst: Obstbäume als Kulturerbe und Lebensraum
Streuobstwiesen sind im Rheinland keine Selbstverständlichkeit mehr. Bis zu 75 Prozent dieser einst weit verbreiteten Lebensräume sind in den vergangenen 50 Jahren verschwunden – durch Nutzungsaufgabe, durch Bebauung, durch fehlende Pflege. Der Naturpark Eifel hat dem entgegen ein eigenes Schutzprojekt gewidmet, und auch wir in Rheinbach sehen die hochstämmigen Obstgärten der Voreifel als Herzstück unserer Herbstarbeit.
Im Oktober und November heißt es Äste sägen, Wunden versorgen, Misteln entfernen und Jungbäume alter, regionaler Sorten nachpflanzen. Alte Apfelsorten wie Rheinischer Bohnapfel oder Gravensteiner sind nicht nur Kulturgeschichte – sie bieten Lebensraum für Höhlenbrüter, Fledermäuse und Wildbienen in einer Dichte, die moderne Niederstammkulturen schlicht nicht erreichen können.
Die Arbeit mit Freiwilligen macht den Unterschied
Unsere Herbsteinsätze auf den Streuobstflächen gehören zu den beliebtesten Terminen im Vereinsjahr. Familien kommen mit Kindern, erfahrene Gärtner geben ihr Wissen weiter, und am Ende des Tages liegt der Duft von frisch gepresstem Saft in der Luft. So verbindet sich Naturschutz mit gelebtem Gemeinschaftsgefühl – und das Wissen darüber, warum diese Bäume erhaltenswert sind, wächst mit jeder gemeinsamen Stunde in der Voreifel.
Das Ganze im Blick
Was diese Jahresarbeit zusammenhält, ist keine abstrakte Liebe zur Natur, sondern das konkrete Wissen um jeden Zaun, jeden Nistkasten, jeden Baum. Naturschutzprojekte in der Voreifel gelingen nicht durch große Pläne allein – sie gelingen durch Menschen, die wiederkommen. Saison für Saison, mit zunehmender Erfahrung und wachsender Bindung an die Landschaft, die sie schützen.
Wer diese Arbeit kennenlernen möchte: Die Türen sind offen.